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Frau Dr. Ahrendt
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Telearbeit - Wo bleibst du?
Kabarett-Sketch - Gundula
Lendt
geschrieben für eine Podiums-Diskussion
zum Thema Telearbeit in der Uni Göttingen
Frau Wisgalla sitzt am Computer...
...und jetzt
knall ich noch ein paar
Moorhühner ab.
nach
kurzer Zeit betritt Frau Dr. Ahrendt den Raum
Guten
Morgen,
Frau Wisgalla.
Wie weit
sind
Sie mit den Recherchen zur strukturellen
Chancengleichheit?
rückt Frau Wisgalla recht
nahe, atmet ihr
Parfüm ein.
Recherchen?
- Chancengleichheit?
Mhm, - Ich
komme einfach nicht dazu.
Dauernd klingelt das Telefon, Kollegen
beschweren
sich... Jetzt Sie...Mist, ich werde ununterbrochen unter…
Frau Dr. Ahrendt unterbricht sie.
Mit
den gleichen Ausreden haben Sie
mich vor vier wochen schon
abgespeist.
Jetzt werde ich langsam ungeduldig.
Ungeduldig!
- Werden Sie doch mal
richtig wütend. Sie haben ja im
Prinzip Recht.
Wir sollten überlegen, wie wir das in den
Griff bekommen.
Wenn ich einen Teil der Arbeit zu Hause erledigen könnte...

Sie
meinen, zu Hause arbeiten?
Ja,
Telearbeit!
Wieder
so eine neumodische Idee für
Frauen. Die drei großen
"K": Kinder - Küche -
Computer!
G O N G
Wisgalla und Dr. Ahrendt erstarren
zum Standbild
Stimme aus dem Hintergrund:
Ich lach' mich schlapp, das ist doch nichts Neues. Telearbeit gibt es
bereits seit Anfang der 70er Jahre...
und wird vorwiegend - nein, sogar zu 80 % von Männern
ausgeübt, die hoch qualifiziert sind.
Zu Ihrer Information:
Telearbeit bezeichnet die wohnortnahe Arbeit unabhängig vom
Firmenstandort an mindestens einem Tag pro Woche. Wobei die
Zusammen-Arbeit über räumliche Entfernungen hinweg unter
primärer Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien
erfolgt und eine direkte Telekommunikationsverbindung zm Arbeitgeber
zur
Übertragung von Arbeitsergebnissen genutzt wird.
Also: Traditionelle Arbeitsplätze werden dezentral organisiert und
vernetzt.
G O N G
Wisgalle und Dr. Ahrendt agieren
weiter.
Ja,
die drei großen "K". Das haben sie
gut erkannt, Frau Dr.
Ahrendt, Durch
Telearbeit können Familie und Beruf besser
vereinbart werden. Freie Zeiteinteilung, ist doch wunderbar.
Entscheidend ist, dass die Arbeit getan wird. Und ich gewinne mehr
Freizeit.
2 Stunden am Tag vertrödele ich auf dem Weg zur Arbeit und
zurück. Das Auto könnte ich dann verkaufen und mal richtig
schön in Urlaub fahren.
Mit
dem verkauften Auto!
Und wie kontrolliere ich, dass Sie in der Zeit
zu Hause
tatsächlich arbeiten oder nur noch Moorhühner
abschießen?
Woher
wissen Sie das?
Hier
habe ich Sie wenigstens unter
Kontrolle. Sie sind schnell und korrekt.
Ich bin sehr zufrieden mit Ihnen. Aber wenn Sie zu Hause so vor
sich
hin
werkeln.
Die Qualität wird drunter leiden.
G O N G
Wisgalle und Dr. Ahrendt erstatten
zum Standbild
Stimme aus dem Hintergrund:
Papperlapapp. Es sollte wohl klar sein, dass Mitarbeiter, die man
sieht, nicht unbedingt produktiver sind als Telearbeiter. Mitarbeiter
im
Betrieb brauchen nur geschäftig zu wirken und kein Vorgesetzter
merkt, dass sie nebenbei "Schiffe versenken" spielen oder gerade die
Diplomarbeit ihres Freundes schreiben.
Und was die Qualität der Arbeit betrifft, hat man längst
erkannt, dass Telearbeit viele Vorzüge hat. Höhere Leistung
durch bessere Motivation bei selbstbestimmter Tätigkeit. In
manchen Fällen wurde nach Einführung der Telearbeit von einer
Produkivitätssteigerung von bis
zu 40 % berichtet.
Und überhaupt: Ergebniskontrolle ersetzt Personalkontrolle!
G O N G
Wisgalla und Dr. Ahrendt agieren
wieder
Also,
mir ist es lieber, wenn alles so
bleibt wie es ist. Ich brauche
Sie hier an Ort
und Stelle als meine Mitarbeiterin.
Wie
kann ich Sie nur überzeugen?
Ich glaube, dass Sie einfach zu wenig
informiert sind
über
Telearbeit.
Moment... Ich habe mir schon was überlegt.
Wisgalle schaltet den Beamer an. Auf der Leinwand
erscheinen nach und nach Fon, Fax, Gen... in
einem
Kreis angeordnet.
Was
soll das? Fon, Fax, Foto?
Halt,
das Wichtigste fehlt noch...
In der Mitte des Kreises auf der
Leinwand erscheint groß
das Wort "Tele"
Hier steht alles, was für Telearbeit benötigt wird.
Tele-fon,Tele-fax,Tele-gramm...
Tele-foto?
Brauchen
Sie, damit sie in Zukunft
wissen, wie Ihre Mitarbeiterin
eigentlich aussieht.
Tele-Kolleg,
Tele-text... Tele-kinese?
Müssen
Sie trainieren. Wenn
beispielsweise ihr Stift vom
Schreibtisch fällt,
den ich sonst aufgehoben hätte.
Tele-kom?
- Telekom?
Na, ja, ISDN, T-DSL,
Flatrate...
bei mir zu Hause!
Tele-skop?
Ganz
wichtig! Mitarbeiterkontrolle!
Tele-vision,
Tele-graf... Tele-gen?
Sollten
Sie sein, wegen der
Tele-Konferenzen.
Aber,
Tele-pathisch!!!
Müssen
wir beide üben,
falls der PC abstürzt oder das
E-Mail-Programm streikt.
Nun,
ja, jetzt weiß ich zwar einiges
mehr über Telearbeit.
Aber ich will das nicht!
Aber
warum denn nicht?
Weil
ich ohne Sie nicht zurecht komme.
... Weil Sie meine beste
Mitarbeiterin sind.
Ohne Sie bin ich doch hoffnungslos verloren.
Ich
komme doch ein- oder zweimal
die Woche zu Ihnen, dann besprechen
wir
alles.
Das
langt mir nicht. Ich möchte Sie jeden
Tag um mich haben, den Duft
Ihres Parfüms
riechen, zusehen, wenn Sie so anmutig und liebevoll
die Pflanzen im Büro gießen.
Frau Wisgalla, ich liebe Sie!
Na
und? Haben Sie schon mal daran
gedacht, dass Sie - vorausgesetzt die
Telearbeit wird eingeführt - vormittags zu mir fahren
könnten? - Mein Mann ist bei der Arbeit, mein Sohn in der Schule.
- Wir könnten dann Telekinese oder Telepathie üben oder von
mir
aus auch etwas anderes ...
Dr.Ahrendt nimmt Frau Wisgalla
verträumt an die Hand.
Komm,
wir üben schon mal Telearbeit...
© 1992
by Gundula Lendt
Sollten Sie Interesse daran haben, diesen
Sketch aufzuführen, dann
holen Sie sich bitte eine Genehmigung
von mir.
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Frau Wisgalla
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