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Gregory-Young
- Leseprobe -
"Sie werden es mir nicht glauben, aber ich bin unschludig. Nein, die
Geschichte ist zu verrückt, würde ich ja selbst kaum glauben.
Aber bitte, hören Sie mich wenigstens an."
Der Polizist lächelte spöttisch.
"Das sagen Sie alle. Kommen Sie erst mal mit zur Wache."
Er packte mich mit festem Griff am linken Arm und schob mich die
dunkle, menschenleere Straße entlang. Wer war auch schon um drei
Uhr nachts unterwegs?
Wir stiegen in ein wartendes Polizeiauto. Am Steuer saß ein
behäbiger Polizist. Er drehte sich nach mir um.
"Wen hast du denn mitgebracht, Rainer?", fragte er den anderen.
"Er ist in einer Polizeiuniform durch die Mozartstraße spaziert.
Zuerst dachte ich, es sei ein Kollege, doch als ich ihn ansprach,
bemerkte ich, dass er Hausschuhe anhatte."
Die beiden lachten, und ich wurde rot vor Verlegenheit.
"Nein, sowas. Villeicht haben wir es mit einem Irren zu tun."
"Er konnte sich nicht ausweisen. Ich habe ihm natürlich sofort
seinen Gürtel mit der Dienstwaffe abgenommen. Jetzt muss er seine
Hose festhalten, damit sie nicht runterrutscht", berichtete Rainer
weiter.
Wieder lachten beide. Ich versank vor Scham tief in die Polster.
"Aber ich glaube nicht, dass er gefährlich ist. Fahr erst mal los
zum Revier, Jürgen."
Der kleine Raum war
spärlich eingerichtet. Eine Neonröhre strahlte grelles Licht
aus, die Wände waren hellgrün gestrichen. Auf der rechten
Seite hing ein großer Kalender über einem Schreibtisch. An
der linken Wand war eine Uhr, daneben leere Garderobenhaken und ein
Waschbecken mit Spiegel. Vorne, quer durch den Raum, war eine lange
Theke mit einer Pendeltür, die Jürgen für mich aufhielt.
Dann verschwand er im Nebenzimmer, ließ aber die Tür offen.
Rainer schob mir einen Stuhl hin.
"Setzen sie sich."
Noch nicht einmal 'bitte'.
Er spannte einen bogen mit drei Durchschlägen in die
Schreibmaschine. Immerhin eine elektrische.
"Also, wie ist ihr Name?"
"Adam Bückler. Wie der Fürst Pückler nur mit B."
Er klapperte langsam mit zwei Fingern.
"Wohnhaft?"
"Nelkenweg neunzehn in Bonn."
"Beruf?"
"Buchhalter, seit zwanzig Jahren bei der Firma Helmbrecht & Cie.
Sie können das nachprüfen. Mein Gott, was wird mein Chef
sagen? Ich habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen und dann so
was."
Er unterbrach mich.
"Schon gut. Sie können Ihre Geschichte später erzählen.
Wir werden das nachprüfen. Zuerst die Formalitäten. -
Geboren?"
"Dreiundzwanzigster Juli 1958."
"Wo?"
"Bad Münstereifel. -
Ich dachte eigentlich, Sie haben auch schon Computer im Büro. Wer
hat denn heute noch eine Schreibmaschine?"
"Im Büro haben wir auch Computer, nur halt nicht auf der Wache.
Aber kommen wir zur Sache. - ..............
......... Der Polizist ließ sich auf seinen Stuhl nieder, schlug
die Beine übereinander und versuchte, seine alte, bequeme Stellung
wieder einzunehmen. Irgendwie gelang ihm das nicht. Vielleicht
hätte er die Beine nicht übereiander schlagen sollen. Er
ruckelte hin und her und sah mich leicht unzufrieden an.
"Nun...?
"Ja, es war am dreizehnten September, genau vor vier Tagen. Mein Gott,
es ist wirklich erst vier Tage her, mir kommt es vor wie vor
Monate..." ............
.......... Ich
machte wie
jeden Samstag bei schönem Wetter nachmittags einen Spaziergang.
Ich ging durch das Villenviertel. Wissen, Sie dort wo auch die ganzen
Botschaften in parkähnlichen Gärten versteckt liegen. Als ich
mich der britischen Botschaft näherte, sah ich von weitem eine
große Menschanansammlung. Ich dachte, 'mein Gott, was ist da
los?', aber ich setzte meinen Weg unbeirrt fort. Erst als ich
näher kam, hörte ich die Menge brodeln. Sie riefen
irgendwelche Sprüche auf Englisch, die ich aber nicht verstand.
Ich kann kein Englisch, wissen Sie...........
........ da hörte ich Schreie und Pfiffe. Alle liefen
durcheiander. Von Panik gepackt rannte ich auch. Ich hörte
Schritte dicht hinter mir, wagte aber nicht, mich umzudrehen. Ich sah
nur ein großes, weißes Gittertor, das einen Spalt
geöffnet war und lief darauf zu. Plötzlich packte mich jemand
an der Jacke. Ich schlüpfte heraus und war auch schon durch das
Tor. Etwa fünfzig Meter vor mir war ein hellgelb
gestrichenes Haus, hinter mir hörte ich das schwere Eisentor
zuknallen. Ich sah ein paar uniformierte Männer herumrennen, als
ob sie einen Hasen jagen würden. Aber ich war schneller, ich war
mal ein sehr guter Hundertmeterläufer und habe etliche Preise
gewonnen. Sie können das nachprüfen."
"Und weiter?"
Seine Stimme klang nun nicht mehr so gelangweilt.
"Ich lief durch eine braune Holztür, die offen stand, kam in eine
große Halle, blickte mich hastig um. Kein Mensch hier drinnen,
rechts und links Türen ..........
.......... Die
zweite
Tür ließ sich öffnen. Es war ein Schlafzimmer, und ich
versteckte mich, ohne lange zu überlegen, unter dem breiten Bett,
das mit dem Kopfende an der rechten Wand mitten im Raum stand
........
Die Tür ging auf. Ich konnte zwei Füße in rosafarbenen
Pumps erkennen .....
....... Als ich etwa
eine
Stunde so gelegen hatte, riss mir die Geduld. Ich dachte, 'ich kann ja
hier nicht ewig so liegen, ich entschuldige mich einfach und gehe nach
draußen'. Also kroch ich unter dem Bett hervor. Natürlich
ging das nicht ganz lautlos. die Frau stand auf, kam um das Bett herum,
sah mich da liegen und schrie. Vor mir stand leibhaftig die englische
Königin in einem rosafarbenen Kostüm .....
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an
Marga-Fiedler-Scholz 
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